Im Advent bereiten wir uns auf Weihnachten vor. Viele von uns haben einen Adventskalender. Jeden Tag darf ein Türchen geöffnet werden und wir kommen Weihnachten immer näher.
Im Advent geht es auch darum Türen zu öffnen. Eine Türe für Gott und eine Tür zu unseren Mitmenschen.
Davon erzählen auch manche Adventslieder. „Macht hoch die Tür“ ist eines davon.
Die Entstehungsgeschichte dieses Liedes ist richtig interessant und passt auch zum Advent.
Der Dichter und Pfarrer Georg Weissel hat das Lied 1624 für eine neue Kirche in Königsberg komponiert. Im Land herrschte der dreißigjährige Krieg. Die Menschen lebten in der ständigen Unsicherheit, wie es weitergehen würde. Die Sehnsucht nach Frieden war groß. Weissel hoffte, dass biblische Texte den Menschen Hoffnung geben würde. So komponierte er mit Versen aus Psalm 24 dieses Lied.
Das Lied wurd allerdings nicht zum ersten Mal in der neuen Kirche gesungen, sondern vor dem Gartentor des reichen Geschäftsmannes Sturgis. Dieser hatte eine Wiese gekauft, mit einem Zaun versehen und die Tore fest verschlossen. Damit war den Leuten aus dem benachbarten Armen- und Pflegeheim nicht nur der nahe Weg in die Stadt versperrt, sondern auch der zur Kirche. Sie mussten einen großen Umweg gehen, der für viele Heimbewohner zu anstrengend war. Alles Bitten und Betteln von vielen Bewohnern der Stadt stießen bei Herrn Sturgis auf taube Ohren.
An diesem Adventssonntag stand Pfarrer Weissel, der Kirchenchor und viele arme und gebrechliche Leute aus dem Heim vor dem verschlossenen Tor.
Pfarrer Weissel hielt eine kurze Predigt. Er sprach davon, dass viele Menschen dem König aller Könige, der ja auch das Kind in der Krippe sei, die Tore ihres Herzens versperrten, so dass er bei ihnen nicht einziehen könne.
Mit erhobener Stimme fuhr er fort: "Und heute, lieber Herr Sturgis, steht er vor eurem verriegelten Tor. Ich rate euch, ich flehe euch an bei eurer Seele Seligkeit, öffnet ihm nicht nur dieses sichtbare Tor, sondern auch das Tor eures Herzens und lasst ihn demütig mit Freuden ein, ehe es zu spät ist."
Danach begann der Chor zu singen. "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit! Es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt ..."
Sturgis stand wie angewurzelt.
Kurz vor Ende des Liedes aber griff er in seine Tasche und brachte einen Schlüssel zum Vorschein, mit dem er die schweren Gartentore aufsperrte.
Und von diesem Zeitpunkt an wurden sie nie mehr verschlossen. Die Heimbewohner hatten ihren kurzen Weg zur Kirche wieder, der noch lange Zeit "Adventsweg" genannt wurde.
Quelle: Livenet
Vielleicht regt die Geschichte Sie an, die eine oder andere Tür im Advent zu öffnen.
Einen gesegneten Advent wünscht Ihnen Susanne Walter